Qualitätssicherung von Fahrerassistenzsystemen
Der Einsatz von GNSS-Verfahren zur Qualitätssicherung von Fahrerassistenzsystemen
Problemstellung
Fahrerassistenzsystems sind elektronische Zusatzeinrichtungen in Kraftfahrzeugen zur Unterstützung des
Fahrers in bestimmten Fahrsituationen. Einerseits werden Fahrerassistenzsysteme zur Steigerung der
Fahrsicherheit bei erhöhtem Verkehrsaufkommen benötigt, zum anderen bewirken sie eine Steigerung
des Fahrkomforts.
Derzeit befinden sich eine Vielzahl von Fahrerassistenzsystemen in der Entwicklung bei führenden
Automobilherstellern und auch Zulieferern, einige Systeme haben bereits Serienreife erreicht und sind schon
in Fahrzeugen integriert, wie zum Beispiel Einparkhilfen und Abstandswarnsysteme.
Da präzise satellitengestützte Messverfahren sehr viele der geforderten Informationen liefern
können, bietet sich in vielen Fällen der Einsatz dieser Systeme in der Qualitätssicherung an.
Mit einer Messrate bis zu maximal 100 Hz können beispielsweise Positionen und sehr präzise
Geschwindigkeiten gemessen werden. Auch die Fahrtrichtung ist direkt aus den Messwerten abzulesen. Die
Basisinformationen Zeit, Position, Geschwindigkeit und Kurs mit dazugehörigen Genauigkeitsinformationen
sind die grundlegenden Größen um daraus die zur Qualitätssicherung benötigten
Informationen, wie beispielsweise der Abstand zwischen zwei Fahrzeugen, die relative Geschwindigkeit von zwei
Fahrzeugen und der Winkel zwischen zwei Fahrzeugen, präzise ableiten zu können.
Anforderungen an das GNS System
- Die Verfügbarkeit der gemessenen Daten soll bei ca. 95% liegen, obwohl das System auch im realen
Verkehrsfluss auf offener Straße eingesetzt werden soll.
- Der Abstand zwischen zwei sich bewegenden Fahrzeugen soll mit einer Genauigkeit von besser als 10 cm
gemessen werden.
- Die relative Geschwindigkeit zwischen den Fahrzeugen muss mit einer Genauigkeit von besser als 0.1 km/h
verfügbar sein.
- Präzise Informationen müssen nicht in Echtzeit verfügbar sein.
- Zwecks Visualisierung sollen alle gemessenen Informationen in Echtzeit verfügbar sein. Eine hohe
Genauigkeit ist in Echtzeit nicht erforderlich.
- Die Informationen sollen mit einer Datenrate von 10Hz ausgegeben werden.
- Das System soll auch in normalen Verkehrssituationen einsetzbar sein. Das System soll auch unter dem
Einfluss von Multipatheffekten und Abschattungen möglichst zuverlässig funktionieren.
Systemaufbau entsprechend der Anforderungen
- Um eine möglichst hohe Verfügbarkeit der Daten in für den Einsatz von GNSS-Verfahren
nicht ganz so optimalen Bedingungen zu erreichen, wird ein GPS + GLONASS Zweifrequenz-Receiver eingesetzt.
Dieser ermöglicht eine Positionsbestimmung auch in stärker abgeschatteten Gebieten, in denen
unter der Verwendung eines reinen GPS-Empfängers keine Positionsbestimmung mehr möglich sein
würde.
- Aus den Genauigkeitsanforderungen von ca. 10 cm für den Abstand zwischen beiden Fahrzeugen
resultiert eine Genauigkeitsanforderung von besser als 10 cm für die absoluten Positionen der
Einzelfahrzeuge, aus denen der Abstand abgeleitet werden kann. Diese Anforderung erfordert grundsätzlich
die Verwendung von differentiellen GNSS-Verfahren je nach Ansprüchen an die Verfügbarkeit in
Echtzeit oder im Postprocessing. Ein Moving-Base Verfahren, dass heißt eine präzise
Positionsbestimmung zwischen beiden Fahrzeugen ermöglicht eine direkte Ausgabe des Abstandes zwischen
beiden Fahrzeugen. Dieses Verfahren bedarf jedoch einer möglichst himmelsfreien Umgebung und kann in
einer realen Testumgebung die hohen Anforderungen an die Verfügbarkeit der Daten nicht erfüllen.
Auf speziellen Teststrecken ist dieses Verfahren jedoch einwandfrei einsetzbar. In realer Umgebung bieten
sich Postprocessing-Verfahren für die Positionsbestimmung an, da diese sowohl die Anforderungen
hinsichtlich Genauigkeit und auch Verfügbarkeit erfüllen.
- Die Anforderungen hinsichtlich Geschwindigkeiten und Kurswinkel können mit einem hochwertigen
GNSS-Empfänger problemlos erfüllt werden. Des Weiteren sind auch Genauigkeitsangaben zu allen
Informationen verfügbar. Derzeit kann mit geodätischen Zweifrequenzempfängern mit einer
Datenrate von 20Hz gemessen werden.
- Die für die Echtzeitvisualisierung notwendigen Informationen können mittels Funkverbindung
vom einen Auto in das nächste übertragen werden. Aus den im Standard-NMEA Protokoll vorliegenden
Messgrößen können die geforderten Größen Abstand, relative Geschwindigkeit und
relativer Winkel zwischen zwei Fahrzeugen mathematisch abgeleitet werden. Die Daten können mit Hilfe
der vorliegenden sehr präzisen Zeitinformation synchronisiert werden.
Systemkonfiguration